Was ist die Bauproduktenverordnung (CPR)?

Die Bauproduktenverordnung (engl.: Construction Products Regulation) sorgt dafür, dass zuverlässige Informationen über Eigenschaften und Leistung von in Bauwerken verbauten Produkten (z. B. in Böden, Decken und Wänden) verfügbar sind. Grundlage hierfür sind einheitliche Regeln zur Prüfung und Klassifizierung dieser Bauprodukte. Jeder, der ein neues Bauprodukt auf den Markt bringen will, muss das Produkt gemäß dieser europaweit einheitlichen Regeln der CPR prüfen, klassifizieren und kennzeichnen. Kabel und Leitungen fielen bisher nicht unter die Bauproduktenverordnung. Mit der Einführung des neuen Standards EN 50575 ändert sich das ab 1. Juli 2017.


Ziel: Eine einheitliche Klassifizierung der Brandeigenschaften von Bauprodukten, die ab dem 1. Juli 2017 in Verkehr gebracht werden.

Was bedeutet „in Verkehr bringen“?

Inverkehrbringen ist die erste Bereitstellung auf dem europäischen Markt. Das ist der Zeitpunkt, zu dem die Ware zum ersten Mal an eine andere juristische Person verkauft wird. Der Verkauf vom Hersteller an Hagemeyer Deutschland GmbH & Co. KG ist in jedem Fall ein Inverkehrbringen. Das kann aber auch schon vorher der Fall sein, zum Beispiel wenn der Hersteller eine eigene Vertriebsgesellschaft hat und die Ware erstmals an diese liefert, von wo sie weitervertrieben wird. Die Produktion selbst ist noch kein Inverkehrbringen.

Konkret bedeutet das für Sie als Kunden:

Bei allen Waren, die Sie vor dem 1. Juli 2017 erhalten, müssen die Anforderungen der Bauproduktenverordnung NICHT erfüllt sein. Bei CPR-relevanter Ware, welche Sie nach dem 1. Juli 2017 erhalten, muss in drei Fälle unterschieden werden:

1. Bezug direkt vom Hersteller ab Werk an Sie CPR-pflichtige Ware
2. Bezug der Ware durch Hagemeyer Deutschland GmbH & Co. KG vor dem 1. 7. 2017 keine CPR anwendbar
3. Bezug der Ware durch Hagemeyer Deutschland GmbH & Co. KG nach dem 1. 7. 2017 CPR-pflichtige Ware


Die verpflichtende CE-Kennzeichnung

Die CE–Kennzeichnung nach Bauproduktenverordnung wird für alle Kabel und Leitungen verpflichtend, die unter den neuen Standard fallen.

Spätestens zum 1. Juli 2017 muss die Kennzeichnung auf dem Produkt, dem Etikett, den Begleitpapieren oder der Verpackung, der ab diesem Zeitpunkt in Verkehr gebrachten Waren, angebracht sein.


Die Leistungserklärung (DOP)

Die Leistungserklärung (engl.: Declaration Of Performance) umfasst die Leistung der wichtigsten Eigenschaften des Produkts. Diese Eigenschaften werden in Europa einheitlich bewertet und beschrieben. Dies erlaubt Produkte zu vergleichen, unabhängig davon, wo sie produziert wurden.

Die Leistungserklärung (Abbildung beispielhaft) beinhaltet außerdem Informationen zur Verwendung des Produkts, zum Hersteller und darüber, ob eine externe Stelle in die Fertigungskontrolle eingebunden wird. Ein Produkt darf erst mit einer CE-Kennzeichnung versehen werden, nachdem es geprüft wurde und eine Leistungserklärung ausgestellt worden ist.


Neue Brandklassen für Kabel und Leitungen

Die bisherigen Brandklassen für Kabel und Leitungen A1, A2, B1, B2 und B3 werden durch die neuen Klassen gemäß der EN 50575 ersetzt. Die EN 50575 verbindet Standards zur Prüfung von mehreren Parametern, was bedeutet, dass Kabel und Leitungen zukünftig auf Energiegehalt, Raucherzeugung, Flammenausbreitung, Säuregehalt, Wärmefreisetzung und Tropfenbildung (brennende Tropfen von Kunststoffmaterialien, die zur Brandfortleitung beitragen) hin geprüft werden.

Es gibt sieben neue Klassen: Aca, B1ca, B2ca, Cca, Dca, Eca und Fca.


Wie verhält es sich mit den Bauvorschriften?

Jedes Land legt selbstständig die Zuordnung der Brandklassifizierung je Gebäudetyp fest. Da das deutsche Baurecht noch nicht an die Neuerung angepasst wurde, verweisen wir auf einen Vorschlag der Kabelindustrie. Das entsprechende Whitepaper „Brandschutzkabel erhöhen die Sicherheit“ finden Sie auf der Website des ZVEI.

Außerdem finden Sie weitere Informationen dazu in der HAGEMEYER eVorschriften-App, die im Google Play Store oder im iOS App Store heruntergeladen werden kann.


Was bedeutet das für Sie als Kunden?

Wir als Händler sind mit verschiedenen Pflichten betraut, mit deren Erfüllung wir dafür sorgen, dass Sie alle nötigen Informationen zum Thema Kabel und Leitungen erhalten.

Wir stellen sicher,

  • dass die betreffenden Produkte eine CE-Kennzeichnung tragen.
  • dass Sie jederzeit Zugriff auf die zum Produkt gehörige Leistungserklärung haben.
  • dass das Produkt durch eine Nummer einwandfrei identifizierbar ist.
  • dass mit dem Produkt auch der Name sowie die Adresse des Herstellers geliefert wird.

Den Infoflyer zur Bauproduktenverordung können Sie direkt hier einsehen und herunterladen. Weitere Informationen zur EU-Bauproduktenverordnung finden Sie auf der Homepage des DIBt.


FAQs zur Bauproduktenverordnung

Was ist die Bauproduktenverordnung?

Die Bauproduktenverordnung (engl.: Construction Products Regulation) sorgt dafür, dass zuverlässige Informationen über Eigenschaften und Leistung von in Gebäuden verbauten Produkten (z. B. in Böden, Decken und Wänden) verfügbar sind. Grundlage hierfür sind einheitliche Regeln zur Prüfung und Klassifizierung dieser Bauprodukte. Jeder, der ein neues Bauprodukt auf den Markt bringen will, muss das Produkt gemäß diesen europaweit einheitlichen Regeln der CPR prüfen, klassifizieren und kennzeichnen. Kabel und Leitungen fielen bisher nicht unter die Bauproduktenverordnung. Mit der Einführung des neuen Standards EN 50575 ändert sich das ab 1. Juli 2017.

Was ist das Ziel der BauPVO?

Ziel ist eine einheitliche Klassifizierung der Brandeigenschaften. Dies wird durch die Bereitstellung einer gemeinsamen Fachsprache erreicht, die einheitliche Bewertungsmethoden für die Leistung von Bauprodukten bietet.

Was ist ein Bauprodukt?

Ein Bauprodukt ist jedes Produkt oder jeder Bausatz, dass beziehungsweise der hergestellt und in Verkehr gebracht wird, um dauerhaft in Bauwerke oder Teile davon eingebaut zu werden, und dessen Leistung sich auf die Leistung des Bauwerks im Hinblick auf die Grundanforderungen an Bauwerke auswirkt. Bauwerke sind Bauten sowohl des Hochbaus als auch des Tiefbaus.

Welche Kabel fallen unter die BauPVO?

Kabel, die im Rahmen zweier harmonisierter Produktnormen dauerhaft in Bauwerke eingebaut werden, d. h.:

  • Strom- und Fernmeldekabel in Bauten des Hochbaus und des Tiefbaus unter Berücksichtigung der Anforderungen an das Brandverhalten
  • und künftig Strom-, Fernmelde-, Brandmelde- und Feueralarmkabel in Bauten des Hochbaus und des Tiefbaus, wo es wichtig ist, ununterbrochene Strom- und/oder Signalversorgung von Sicherheitseinrichtungen zu gewährleisten
  • Dauerhaft verlegte Kabel sind Kabel, die nicht speziell nur für temporäre Installation bestimmt sind.

Hebeseile (Lift Cables), die nicht Gegenstand des Mandats M/335 EU2 sind, fallen nicht hierunter.

Welche Kabelleistung ist in der BauPVO enthalten?

Folgende Kabelleistungen sind von der BauPVO erfasst:

  • Brandverhalten
  • Feuerbeständigkeit
  • Emission von gefährlichen Stoffen (Rauch, Gas, Tropfen)
Was bedeutet Brandverhalten?

Definition: Reaktion eines Materials unter bestimmten Testbedingungen, bei der es durch seinen eigenen Zerfall zu einem Feuer, dem es ausgesetzt ist, beiträgt.

Was bedeutet Feuerbeständigkeit?

Definition: Fähigkeit eines Elements eines Bauwerks, über eine festgelegte Zeit die in einer Standard-Feuerbeständigkeitsprüfung festgelegte erforderliche tragende Funktion, Unversehrtheit und/oder Wärmeisolierung zu gewährleisten. Ununterbrochene Stromversorgung bei einem Brand.

Welches sind die Euroklassen für Brandverhalten und Feuerbeständigkeit?

Für das Brandverhalten von Kabeln sind in der Entscheidung der Kommission Nr. 2006/751/EG verschiedene Leistungsklassen festgelegt: die Brandverhaltensklassen für elektrische Kabel (Euroklassen). Die Euroklassen-Tabelle definiert sieben Klassen (ACA, B1CA, B2CA, CCA, DCA, ECA und FCA). Wärmefreisetzung und Flammenausbreitung sind die Hauptkriterien für die Klassifizierung. Weitere Kriterien sind Rauchentwicklung, brennendes Abtropfen und Säuregehalt.

Mit Feuerbeständigkeit wird ein Kabel beschrieben, das dazu dient, die ununterbrochene Strom- und/oder Signalversorgung von Sicherheitseinrichtungen sicherzustellen. Für die Feuerbeständigkeit von Kabeln sind in der Entscheidung der Kommission Nr. 2000/367/EG verschiedene Leistungsklassen, deren Klassifizierung auf der Überlebenszeit basiert, festgelegt. Die Zeiten sind 15, 30, 60, 90 und 120 Minuten in der Klassifikation P oder PH.

Welches sind die Hauptanforderungen in der BauPVO?

In der BauPVO sind Leistungserklärungen und die CE-Kennzeichnung von Kabeln für Bauwerke mit ihren Feuereigenschaften verbindlich vorgeschrieben.
Das CE-Zeichen darf nicht verwendet werden, wenn keine Leistungserklärung erstellt wurde. Kein CE-Zeichen ohne Leistungserklärung.

Was ist die Leistungserklärung?

Die Leistungserklärung ist ein vom Hersteller für jedes von der BauPVO erfasste Produkt erstelltes Dokument mit folgenden Angaben:

  • Produktidentifizierung
  • Verwendungszweck
  • die wesentlichen Merkmale entsprechend der erklärten Leistung (bei Kabel die Brandverhaltensklasse, Feuerbeständigkeitsklasse und Emission von gefährlichen Stoffen)
Wer ist laut BauPVO der Hersteller?

Hersteller ist die Person oder Firma, die das Produkt in der EU in Verkehr bringt. Dies kann der tatsächliche Hersteller oder ein Importeur sein. Jede natürliche oder juristische Person, die ein Bauprodukt herstellt und dieses Produkt unter ihrem eigenen Namen oder ihrer eigenen Marke vermarktet.

Wer ist laut BauPVO Händler?

Händler ist jede natürliche oder juristische Person in der Lieferkette (außer dem Hersteller oder Importeur), die ein Bauprodukt auf dem Markt bereitstellt.

Wer ist laut BauPVO ein Importeur?

Importeur ist jede in der EU ansässige natürliche oder juristische Person, die ein Bauprodukt aus einem Drittstaat auf dem Markt der EU in Verkehr bringt.

Was bedeutet Bereitstellung auf dem Markt?

Bereitstellung auf dem Markt ist jede entgeltliche oder unentgeltliche Abgabe eines Bauprodukts zum Vertrieb oder zur Verwendung auf dem Markt der EU im Rahmen einer Geschäftstätigkeit.

Was bedeutet Inverkehrbringen?

Inverkehrbringen ist die erste Bereitstellung auf dem europäischen Markt. Das ist der Zeitpunkt, in dem die Ware zum ersten Mal an eine andere juristische Person verkauft wird. Der Verkauf von Hersteller an Hagemeyer Deutschland GmbH & Co. KG ist in jedem Fall ein Inverkehrbringen. Das kann aber auch schon vorher der Fall sein, z. B. wenn der Hersteller eine eigene Vertriebsgesellschaft hat und die Ware erstmals an diese liefert, von wo sie weitervertrieben wird. Die Produktion selbst ist noch kein Inverkehrbringen.

Wie kann der Benutzer wissen, ob ein Produkt nach der BauPVO für Anwendungen geeignet ist?

Folgendes benötigt der Benutzer:

  • Kenntnis der nach den nationalen Vorschriften für das betreffende Gebäude/Bauwerk geforderten Euroklasse
  • CE-Kennzeichnung mit Begleitinformationen bezüglich der Zertifizierung
  • Leistungserklärung des Lieferanten.

Die Kabelwahl setzt voraus, dass für die höheren Leistungsklassen für das Brandverhalten (ACA, B1CA, B2CA und CCA) und alle Feuerbeständigkeitsklassen eine Konformitätsbescheinigung (System 1+ Bewertung und Überprüfung der Leistungsbeständigkeit) vorliegt. Das erfordert, dass eine benannte Drittzertifizierungsstelle den Produkttyp bestimmt (Typprüfung usw.), die Produktionsstätte und die Fertigungskontrolle in der Fabrik einer ersten Prüfung unterzieht, die Fertigungskontrolle in der Fabrik anschließend durchgängig überwacht und in der Fabrik genommene Proben überprüft.

Ist der Hagemeyer Deutschland GmbH & Co. KG für die Umsetzung der BauPVO verantwortlich?

Es ist Aufgabe von Hagemeyer Deutschland GmbH & Co. KG, mit erforderlicher Sorgfalt zu handeln und die BauPVO, für Bauprodukte die ab dem 1. Juli 2017 in Verkehr gebracht werden, einzuhalten. Mit anderen Worten, Hagemeyer Deutschland GmbH & Co. KG stellt sicher, dass das Produkt – sofern erforderlich – mit dem CE-Zeichen gekennzeichnet ist und von den nach der BauPVO geforderten Unterlagen begleitet wird.

Die BauPVO beschreibt die allgemeine Pflicht von Hagemeyer Deutschland GmbH & Co. KG wie folgt: „Händler von Bauprodukten sollten die wesentlichen Merkmale, für die es auf dem EU-Markt Bestimmungen gibt, und die spezifischen Anforderungen in den Mitgliedstaaten hinsichtlich der Grundanforderungen an Bauwerke kennen und sollten diese Kenntnisse im Handelsverkehr anwenden“.